Stevia aus Samen ziehen

Im Winter kann man wunderbar darüber nachdenken, was man im Frühjahr so alles anpflanzen möchte.  Da sollte dann das Honigkraut oder besser gesagt Stevia rebaudiana nicht fehlen. Obwohl es inzwischen eigentlich nicht mehr nötig ist, die Pflanze selbst aus den Samen zu ziehen, da es mitlerweile in vielen gut sortierten Gärtnern oder Gartencentern Stevia in den unterschiedlichsten Wachstumsstadien zu kaufen gibt. Natürlich nur als Zierpflanze, denn wie wir wissen, ist Stevia in der EU immer noch nicht als Lebensmittel zugelassen.
Wenn der Hobbygärtner also Stevia anpflanzt, dann kann ihn allerdings niemand daran hindern, hin und wieder das ein oder andere Blatt im Tee oder ganz einfach im Mund verschwinden zu lassen, wovon ich natürlich strikt abraten möchte, denn es fehlt jene wichtige Zulassung als Lebensmittel.

Samen, Steckling oder ausgewachsene Pflanze?

Jedenfalls gibt es neben ausgewachsenen Pflanzen oder Stecklingen im Handel natürlich auch Stevia Samen zu kaufen. Wer also lieber selbst zieht als große Pflanzen zu kaufen, die womöglich mit wer weiß was schon behandelt wurden, kann dies tun. Die Samen sind von verschiedenen Anbietern unter verschiedenen Namen erhältlich. Die Samen der Pflanze heissen  beim Anbieter Dürr Samen z.B. Süßkraut/Süßblatt, bei Sperli finden sich selbige in einer Verpackung mit der Aufschrift Honigkraut.

Es ist bekannt, dass es nicht ganz einfach ist, Stevia rebaudiana aus Samen zu ziehen. Mit einer Keimquote von etwa 20 Prozent sind Sie schon gut dabei. Außerdem benötigen die Stevia Samen eine Keimtemperatur von etwa 20 ° Celsius und die Samen brauchen Licht zum Keimen. Also bitte nicht mit haufenweise Erde bedecken sondern am Besten auf  das Substrat legen und evtl. ein wenig andrücken. Das Substrat nicht zu trocken halten aber unbedingt Staunässe vermeiden. Dann haben Sie die besten Voraussetzungen geschaffen, dass aus Ihren Stevia-Samen auch was wird.

Einen prima Erlebnisbericht zum Versuch aus gekauften Samen eine oder mehrere Pflanzen wachsen zu lassen, findet sich im äußerst interessanten Gärtner-Blog von Stephanie Dann

Demnächst sprechen wir dann darüber wie das mit den Stevia Stecklingen funktioniert und warum man die vegetative Vermehrung der Aussaat vorziehen sollte.

Was ist Stevia

Die Staude Stevia Rebaudiana stammt aus einem Gebiet zwischen Paraguay und Brasilien. Für die Einwohner Südamerikas ist diese beieindruckende Pflanze seit vielen Jahrhunderten selbstverständlich bei der Zubereitung von Getränken, verschiedenen Speisen und für die Herstellung von Medikamenten. Die auch als “Süßkraut” oder “Honigblatt” bezeichnete Pflanze wird vor allem in Asien für unterschiedliche Zwecke verwendet.

Süsse ohne Reue

In Europa wurde Stevia erst im 16. Jahrhundert bekannt, aber kaum beachtet. Ende des 19. Jahrhunderts befasste sich die Wissenschaft erstmals ausführlicher mit der Pflanze. Sie vereint etwa 100 Wirkstoffe, von besonderer Wichtigkeit sind dabei acht Glycoside, die für die außerordentliche Süße des Gewächses sorgen. Das Steviosid beispielsweise ist etwa 300 mal süßer als unser herkömmlicher Haushaltszucker Saccharose. Jedoch kann dieser Süßstoff den Zucker nicht vollkommen ersetzen, da gewöhnlicher Haushaltszucker bei Süßspeisen, in denen er den Hauptbestandteil darstellt, vorteilhafter ist. Hier sorgt er durch das richtige Volumen für einen lockeren Teig. Für Mürbeteig wiederrum kann man Stevia bedenkenlos einsetzen.

Stevia – gut für die Zähne

Unglaublich, aber wahr: Stevia fördert die Zahngesundheit, denn es hemmt die Kariesbildung. Darüber hinaus ist dieser Süßstoff auch für Diabetiker geeignet und enthält so gut wie keine Kalorien. Dank der großen Süßkraft ist der Bedarf an Stevia relativ gering. Da es keinen zusätzlichen Heißhunger auslöst, ist der Zuckerersatz auch für Übergewichtige Menschen eine große Hoffnung. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass Stevia nicht künstlich hergestellt werden muss, sondern ein rein natürliches Produkt darstellt.

Dennoch wird über die Wirkung von Stevia nach wie vor heftig diskutiert. Einwohner Brasiliens und Paraguays betrachten den Süßstoff als selbstverständlich und scheinen keine bleibenden Schäden durch den Verzehr des Zuckerersatzes davonzutragen. Außerdem wird der Pflanze nachgesagt, herzstärkend zu wirken und sogar den Blutdruck zu senken.
Tierversuche Ende der Neunziger Jahre zeigten jedoch, dass Stevia negative Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit haben, sowie eine Toxizität entwickeln kann. Heute steht fest, dass die Ratten, an denen die Wirkung des Süßkrauts getestet wurde, eine zu hohe Dosis verabreicht bekamen. Um diese Menge aufzunehmen, müsste ein Mensch die Hälfte seines Körpergewichts an Stevia zu sich nehmen. Dieses Experiment war sehr unrealistisch und belastet die Pflanze wahrscheinlich zu Unrecht.
In Japan, einem Land, in dem Stevia seit über 25 Jahren zum Süßen von Nahrungsmitteln benutzt wird, sind keine Probleme an die Öffentlichkeit gelangt.

Rechtliche Situation bei Stevia

Aufgrund dieser Verunsicherungen wurde das Süßmittel in Deutschland ab den Neunziger Jahren als Nahrungsmittelzusatz verboten und ist heute kaum noch anzutreffen. Es wird jedoch in einigen Teemischungen verwendet und laut EU-Komission wird eine Einführung von Stevia auf dem deutschen Markt für das Jahr 2010 geplant. Bereits jetzt befindet sich Stevia auch in Zahnpflegeartikeln, da es plaquehemmend wirkt.
Durch das Internet gibt es einen regen Handel aus dem Ausland. Als Pulver, Sirup oder Blätter ist der Süßstoff erhältlich. Diese Art des Verkaufs ist jedoch nicht vollkommen legal und der Konsument hat keine Garantie auf untadelige Ware. Da sie nicht offiziell zugelassen ist, wird sie durch die Lebensmittelbehörde nicht kontroliert. Einen eigenen Beitrag zur aktuellen, rechtlichen Lage habe ich hier zur Verfügung gestellt (Stand Januar 2012)