Was ist Stevia

Die Staude Stevia Rebaudiana stammt aus einem Gebiet zwischen Paraguay und Brasilien. Für die Einwohner Südamerikas ist diese beieindruckende Pflanze seit vielen Jahrhunderten selbstverständlich bei der Zubereitung von Getränken, verschiedenen Speisen und für die Herstellung von Medikamenten. Die auch als “Süßkraut” oder “Honigblatt” bezeichnete Pflanze wird vor allem in Asien für unterschiedliche Zwecke verwendet.

Süsse ohne Reue

In Europa wurde Stevia erst im 16. Jahrhundert bekannt, aber kaum beachtet. Ende des 19. Jahrhunderts befasste sich die Wissenschaft erstmals ausführlicher mit der Pflanze. Sie vereint etwa 100 Wirkstoffe, von besonderer Wichtigkeit sind dabei acht Glycoside, die für die außerordentliche Süße des Gewächses sorgen. Das Steviosid beispielsweise ist etwa 300 mal süßer als unser herkömmlicher Haushaltszucker Saccharose. Jedoch kann dieser Süßstoff den Zucker nicht vollkommen ersetzen, da gewöhnlicher Haushaltszucker bei Süßspeisen, in denen er den Hauptbestandteil darstellt, vorteilhafter ist. Hier sorgt er durch das richtige Volumen für einen lockeren Teig. Für Mürbeteig wiederrum kann man Stevia bedenkenlos einsetzen.

Stevia – gut für die Zähne

Unglaublich, aber wahr: Stevia fördert die Zahngesundheit, denn es hemmt die Kariesbildung. Darüber hinaus ist dieser Süßstoff auch für Diabetiker geeignet und enthält so gut wie keine Kalorien. Dank der großen Süßkraft ist der Bedarf an Stevia relativ gering. Da es keinen zusätzlichen Heißhunger auslöst, ist der Zuckerersatz auch für Übergewichtige Menschen eine große Hoffnung. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass Stevia nicht künstlich hergestellt werden muss, sondern ein rein natürliches Produkt darstellt.

Dennoch wird über die Wirkung von Stevia nach wie vor heftig diskutiert. Einwohner Brasiliens und Paraguays betrachten den Süßstoff als selbstverständlich und scheinen keine bleibenden Schäden durch den Verzehr des Zuckerersatzes davonzutragen. Außerdem wird der Pflanze nachgesagt, herzstärkend zu wirken und sogar den Blutdruck zu senken.
Tierversuche Ende der Neunziger Jahre zeigten jedoch, dass Stevia negative Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit haben, sowie eine Toxizität entwickeln kann. Heute steht fest, dass die Ratten, an denen die Wirkung des Süßkrauts getestet wurde, eine zu hohe Dosis verabreicht bekamen. Um diese Menge aufzunehmen, müsste ein Mensch die Hälfte seines Körpergewichts an Stevia zu sich nehmen. Dieses Experiment war sehr unrealistisch und belastet die Pflanze wahrscheinlich zu Unrecht.
In Japan, einem Land, in dem Stevia seit über 25 Jahren zum Süßen von Nahrungsmitteln benutzt wird, sind keine Probleme an die Öffentlichkeit gelangt.

Rechtliche Situation bei Stevia

Aufgrund dieser Verunsicherungen wurde das Süßmittel in Deutschland ab den Neunziger Jahren als Nahrungsmittelzusatz verboten und ist heute kaum noch anzutreffen. Es wird jedoch in einigen Teemischungen verwendet und laut EU-Komission wird eine Einführung von Stevia auf dem deutschen Markt für das Jahr 2010 geplant. Bereits jetzt befindet sich Stevia auch in Zahnpflegeartikeln, da es plaquehemmend wirkt.
Durch das Internet gibt es einen regen Handel aus dem Ausland. Als Pulver, Sirup oder Blätter ist der Süßstoff erhältlich. Diese Art des Verkaufs ist jedoch nicht vollkommen legal und der Konsument hat keine Garantie auf untadelige Ware. Da sie nicht offiziell zugelassen ist, wird sie durch die Lebensmittelbehörde nicht kontroliert. Einen eigenen Beitrag zur aktuellen, rechtlichen Lage habe ich hier zur Verfügung gestellt (Stand Januar 2012)